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Nie nachlassen – mit 80 Jahren um Niederösterreich

Nie nachlassen – mit 80 Jahren um Niederösterreich

Beim Race Around Niederösterreich geht es nicht nur um den Sieg, nicht nur um Rekorde und nicht nur um den Österreichischen Meistertitel auf der Ultradistanz. Vielmehr stehen die persönlichen Geschichten, eine derartige Distanz (600km, 6.000HM), in nicht einmal 30 Stunden zu absolvieren, im Vordergrund. Es geht darum sich (schier unglaubliche) Ziele zu setzen und diese alleine, im 2er- oder im 3er-Team mit seinen Betreuern, für sich selbst, oder den guten Zweck zu erreichen. Es geht um den Kampf gegen Wind und Wetter und gegen den inneren Schweinehund auf der Suche nach der eigenen Grenze der Belastbarkeit.

Eine dieser schier unglaublichen Geschichten wollen bei der zweiten RAN-Auflage unter anderem das Dreiergespann Herbert Lackner, Toni Gierer und Norbert Hager aus Niederösterreich schreiben. Das Besondere an ihnen? Ein Altersdurchschnitt von 80 (in Worten: achtzig) Jahren!

„Nie nachlassen!“, so die Devise der drei Radenthusiasten, die gerne zeigen möchten, dass Grenzen nur im Kopf bestehen und egal mit welchem Alter derartig sportliche Leistungen möglich sind! Und wer glaubt, dass die 600km um Niederösterreich die längste Tour sein werden, die die Routiniers je hinter sich gebracht haben werden, der irrt! Zwei Race Across America (RAAM) Teilnahmen und Zielankünfte haben sie unter dem Titel „Rentnergang auf großer Tour“, schon zu Buche stehen.

Wie die „Crataegutt Seniors 80+“ zum Radsport gekommen sind, woher sie sich kennen und was sie zur Strecke sagen, hat uns Herbert Lackner (HL) in einem Interview verraten.

RAN: Wie seid ihr zum Radsport gekommen?
HL: Puh, ja, das ist bereits 60 Jahre her! Norbert und ich haben mit 16 Jahren angefangen und sind uns immer wieder mal über den Weg gelaufen. Der Gierer Toni ist ein Spätberufener, der hat erst mit 45 angefangen.

RAN: Wie seid ihr zu Teammäßig zusammengekommen?
HL: Wir kommen alle aus Niederösterreich. Man kommt ja bei den unterschiedlichsten Rennen immer zusammen und da lernt man sich kennen.

RAN: Und da hattet ihr schon immer so wahnsinnige Ideen wie durch die USA beim RAAM zu radeln?
HL: Das war für mich eigentlich nie ein Thema! Wie der Franz Spilauer gefahren ist (Anmerkung: erster Österreicher und Nicht-US-Amerikaner, der 1988 das Race Across America gewinnen konnte) haben wir das natürlich damals schon verfolgt, aber als Einzelfahrer beim RAAM, das ist sowieso grenzwertig. Als Mannschaft dachte ich mir aber immer, dass es nicht so eine großartige Leistung sei. Wie ich dann aber plötzlich 70 war, dachte ich mir: Das wär’ doch was mit einer Altersstaffel. Drei Herz- und eine Kopf-OP später sind wir 2014 erstmals und eben im Vorjahr das zweite Mal das RAAM gefahren.

RAN: Was ist euer Ziel beim Radfahren? Was ist eure Zauberformel? Warum seid ihr so fit?
HL: Es geht darum nie nachzulassen! Sport haben wir immer betrieben. Zwischendurch mal aufgrund beruflicher Verpflichtungen keinen Wettkampfsport, aber konditionell waren wir immer gut! Und in der Pension habe ich nochmals richtig durchstarten wollen. Wir fahren nicht um den Sieg mit! Alle unsere Mitbewerber könnten unsere Söhne und Enkel sein! Unser Ziel ist es ein Vorbild für die ältere Generation zu sein und zu zeigen, dass man selbst im hohen Alter noch solche Herausforderungen meistern kann. Nur wer fit ist und fit bleibt kann das Leben genießen. Wir wollen selbstbestimmt leben, niemandem zur Last fallen und unsere Schuhbänder selbst binden können. Durch das Radfahren konnte ich auch die OPs besser verkraften. Auf der Reha haben sie mich damals gefragt, was ich hier überhaupt mache! Ich sei doch besser als manche Ärzte selbst beinand (lacht). Und ja, wir fahren auch für den guten Zweck!

RAN: Und 2020 geht es mit Heimvorteil um Niederösterreich?
HL: Ja, normalerweise fängt man ja andersrum an. Man fährt zuerst um Niederösterreich und dann nach Amerika. Wir backen jetzt kleinere Brötchen, aber freuen uns schon auf diese Herausforderung. Wir sind auch schon Teile der Strecke abgefahren. Von Bärnkopf nach Weitra bis Dobersberg und weiter nach Retz, bis zur Donau runter.

RAN: Wie gefällt euch die Strecke?
HL: Leicht ist es nicht, muss man sagen! Vom Start weg dachten wir uns, dass es flacher sein wird, da sind aber genug Hügel dazwischen. Erst an der March wird’s dann flacher. Ab dem Semmering geht’s dann richtig zur Sache. Vor allem aber dann auch ab der Donau wieder. Da geht’s dann nur mehr bergauf. Das ist nicht zu unterschätzen! Aber das ist meine Heimstrecke, da weiß ich, was uns bevorsteht.

RAN: Danke für das Interview!

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